Zusammentreffen der bürger für eine Energiewende
Eine initiative der IGS gegen Schiefergas

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Bürgerliche Konvergenz (Zusammenschluss) für eine Energiewende

Erklärung von Lézan – Gard (F) vom 28. August 2011

Sonnabend 24. September 2011, von Gilles Quiniou

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Vorwort

Die von uns organisierte bürgerliche Konvergenz für eine Energiewende ist infolge einer Bewusstwerdung entstanden, deren Ursprung in der Mobilisierung gegen die Ölsand- und Schiefergasförderung liegt. Wir haben diese Erklärung am 26., 27. und 28. August ausgearbeitet und am 28. August im Rahmen einer Vollversammlung verabschiedet.

Um das Wohlergehen der künftigen Generationen zu gewährleisten, sieht die Konvergenz es als unerlässlich an, dass

  • die Bürger bei Themen, die sie betreffen, die Entscheidungen selbst in die Hand nehmen.
  • das Ausbeuten der Natur und ihrer Ressourcen abzulehnen ist; insbesondere weist die Konvergenz dabei auf die Fallen des grünen Kapitalismus hin („green washing“).
  • Boden, Wasser, Luft, Energie und alle Lebewesen als gemeinsame, unveräußerliche und für alle zugängliche Güter definiert werden.
    Die Konvergenz erstellt einen Handlungsplan, indem sie das vorherrschende gewinnorientierte Wirtschaftssystem in Frage stellt:

1 / Die Einrichtung einer von den Bürgern gewährleisteten Kontrolle der politischen Instanzen, die der Logik der multinationalen Unternehmen unterliegen, bedeutet:

  • Eine direkte Demokratie in Räumen, die dem Austausch, der Information, der Auseinandersetzung und der Entscheidungsfindung der Bürger gewidmet sind;
  • Eine transparente Versammlung der Bürger, die unterschiedliche Fachwissen vertreten, wodurch Interessenkonflikte ausgeschlossen werden;
  • Die Trennung der Finanzmächte und der Medien;
  • Eine konvergenzorientierte Zusammenarbeit mit der sozialen Bewegung und ihren Organisationen bezüglich gesellschaftlicher Fragen.

2 / Sich unverzüglich für die Energiewende einzusetzen, setzt Folgendes voraus:

  • Erhebliche Reduzierung der Treibhausgasemissionen gemäß der anlässlich des Klimagipfels in Cochabamba geäußerten Forderungen (diese Erklärung wurde von der Konvergenz in Lézan verabschiedet und dieser Erklärung beigefügt);
  • Abstandnahme von einem übermäßigen Konsum, der die Ärmeren noch mehr als die Reicheren belastet;
  • Einsatz für einen mäßigen Energieverbrauch und mehr Energieeffizienz;
  • Beendigung des Wettrennens um fossile Energieträger;
  • Verzicht auf sämtliche Experimente bei der Suche und Förderung von Kohlenwasserstoffen (einschließlich Muttergestein- [1] und Offshore-Bohrungen);
  • Ausstieg aus der zivilen und militärischen Atomnutzung;
  • Stoppen des industriellen Anbaus und der industriellen Nutzung pflanzlicher Kraftstoffe;
  • Vorrangig öffentliche Finanzierung von Forschungsarbeiten und Experimenten im Bereich der erneuerbaren Energien;
  • Aufhebung der von multinationalen Unternehmen aufgegriffenen Patente;
  • Organisation der Standortverlagerung, indem die Energieproduktions– und Versorgungsmittel (Stadtwerke, Genossenschaften, gemeinnützige Gesellschaften usw.) wieder der öffentlichen Hand zugeführt und konsequent von den Bürgern kontrolliert werden;
  • Neuausrichtung der öffentlichen Politik in den Bereichen mit großem Energiebedarf, z. B. intensive Landwirtschaft, Transport, Wohnungswesen und Stadtplanung, Industrie und Vertrieb;
  • Vorantreiben der Umgestaltung betroffener Bereiche im Einvernehmen mit den Arbeitern und den Nutzern/Verbrauchern.

3 / Die Konvergenz (Zusammenschluss) der Proteste ab sofort zu organisieren zieht folgende Verpflichtungen nach sich:

  • Koordination der Proteste gegen Ölsand- und Schiefergasförderung, Atomenergie, GVO (gentechnisch veränderte Organismen), Müllverbrennungsanlagen, industriell produzierte pflanzliche Kraftstoffe;
  • Zusammenschluss der Proteste, Mobilisierungen, alternativen Entwicklungen und Experimenten, um Umweltschutz und soziale Kämpfe miteinander zu verbinden;
  • Arbeit an der Entstehung eines neuen Zivilisationskonzepts, das aufgrund der klimatischen Herausforderungen, der Erschöpfung der natürlichen Ressourcen und ganz allgemein des Chaos, in das der Kapitalismus uns treibt, unerlässlich ist;
  • Regelmäßige Pflege der in Lézan entstandenen bürgerlichen Konvergenz, indem die lokalen Organisationen mit den weltweiten Bewegungen in Kontakt bleiben;
  • Weltweite Bekanntmachung unserer Mobilisierungen, u. a. während der Protestbewegung gegen den G20-Gipfel vom 1. bis 4. November 2011 in Cannes (F), während der UNO-Klimakonferenz Anfang Dezember 2011 in Durban (Südafrika), während des alternativen Wasserweltforums vom 10 bis 18. März 2012 in Marseille (F) und während des Weltgipfels Rio + 20 (Brasilien) Anfang Juni 2012.
    Die bürgerliche Konvergenz für eine Energiewende schließt sich an die Petition der « Los Indignados » an, die von der Europäischen Kommission den Atomausstieg, das Verbot der Suche und Förderung der im Muttergestein [2] eingeschlossen Kohlenwasserstoffe, des Anbaus und des Vertriebes von GVO und eine Revision der Schulden der europäischen Staaten fordert.

Kampf globalisieren, Hoffnung globalisieren!

Die Erklärung wird von den Partnern der « bürgerlichen Konvergenz für eine Energiewende » und alle, die daran teilnehmen wollen, um sie zu unterstützen, anerkannt.

Kontakt : organisation@convergenceenergetique.org

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Anmerkungen

[1Unkonventionelle Förderung von Gas und Öl sowie die Stimulation konventioneller Lagerstätten mittels Fracking

[2Unkonventionelle Förderung von Gas und Öl sowie die Stimulation konventioneller Lagerstätten mittels Fracking